Riss in der Matrix

Postin im Namen des Bistums Münster
Hoppla, da ist einer auf der Maus ausgerutscht! – So schien es jedenfalls, als die Serie von Wohlfühlbotschaften, die das Bistum Münster Tag für Tag in die virtuelle Welt ausstrahlt, plötzlich durch eine klare, kantige Ansage in der Ich-Form unterbrochen wurde:

»Bin entsetzt, wie leichtfertig Bundeskanzlerin und Bundestag mit dem hohen Gut der Ehe umgehen. Umdefinierung gibt 2000jährige Kultur auf!«

Daran ist aus katholischer oder naturrechtlicher Sicht nicht zu rütteln. Das sagt auch Papst Franziskus so, und so haben sich einmütig alle Wortmeldungen deutscher Bischöfe angehört. Diese Aussage verweist auf das entscheidende Problem: Es geht gerade nicht darum, Gleiches gleich zu behandeln, sondern es geht in der politischen Entwicklung darum, ein zentrales Kulturgut willkürlich umzudeuten und so zu entkernen.

Offensichtlich war der Post nicht mit der Social-Media-Redaktion abgesprochen, und so hagelte es auch prompt Bekundungen von Liebesentzug von Seiten der User. Die Redaktion rettete sich mit der Auskunft, durch einen »technischen Fehler« habe Weihbischof Zekorn eine persönliche Mitteilung auf dem Facebook-Account des Bistums veröffentlicht.

An dieser Darstellung habe ich keinen Zweifel. Wohl aber an der Einordnung des technischen Fehlers. In Wirklichkeit ist der Facebook-Account des Bistums ein geistlicher Fehler. Durch einen kurzfristigen technischen Defekt gab es einen Riss in der Matrix … und für einen winzigen Augenblick nur trat die Kirche der Helden und Heiligen hervor.

Dann beeilte man sich, den Riss zu schließen und die Wohlfühlsimulation wieder anzuwerfen.


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