Kirche. Macht. Pippi.

Wenn sie (Astrid Lindgren) irgendein Ziel mit der Figur der Pippi Langstrumpf verbunden hätte, dann dieses: »Zu zeigen, dass man Macht haben kann, ohne sie zu missbrauchen.«

Frau Kreidler-Kos, Leiterin des Seelsorgeamts des Bistums Osnabrück, hat natürlich mit ihrer Betrachtung zu Pippi Langstrumpf in vielem Recht. In Hinsicht auf Dorothea Schmidts Buch »Pippi-Langstrumpf-Kirche« verfehlt sie jedoch das Thema.

Landhaus in Schweden, Foto von Bente Jøhnsson auf Pixabay

Vielleicht hätte sie erwähnen können, dass eine Liedzeile Anlass zu Dorothea Schmidts Buch gegeben hat, die in Astrid Lindgrens Büchern gar nicht vorkommt: Die deutsche Übertragung des Erkennungslieds zu den Pippi-Langstrumpf Filmen von Olle Hellbom.

Da heißt es: »Ich mach mir die Welt – widewidde – wie sie mir gefällt!« Die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht daran, dass Andrea Nahles auf dem Höhepunkt des Bundestagswahlkampfs 2013 genau diese Liedzeile am Rednerpult des Bundestags vorgetragen hat, um die Selbstdarstellung der schwarzgelben Koalition wirksam zu kritisieren.

An diesem Punkt setzt auch die Autorin des lesenswerten Buchs »Pippi-Langstrumpf-Kirche – Erfahrungen auf dem Synodalen Weg« an … und gibt unumwunden zu, was Frau Kreidler-Kos hätte bemerken können, wenn sie das Buch gelesen hätte, dass sie Pippi Langstrumpf bis zum heutigen Tag als literarische Figur liebt. Aber: »Pippi hätte ihren Lebensstil nicht bis ins Erwachsenenalter durchziehen können, ohne sich selbst zum Gesetz zu machen.«
Das geistliche Erwachsenwerden wünschte man dem Bistum Osnabrück und seinem Bischof. Denn es ist ja nicht so, als ginge die geistliche Qualität – zum Beispiel der Impulse, die die Socialmedia-Redaktion über den Twitter-Account setzt – über Prilblumenromantik hinaus. (Übrigens ein weiteres popkulturelles Phänomen.)

So beschreibt Dorothea Schmidt in ihrem Buch die Praxis, Wortmeldungen auf dem Synodalen Weg, durch das Zeigen roter und grüner Abstimmungskarten zu bewerten. Melden sich missliebige Vertreter der katholischen Minderheitsposition, darf man recht früh damit rechnen, dass die »roten Karten fliegen«. Der Witz ist, dass dieses plebiszitäre Element von der Synodalsatzung gar nicht vorgesehen ist. Wie sollte es auch? Eine Abstimmung im Stil eines Parlaments oder Parteitags entspricht durchaus NICHT dem synodalen Geist des Aufeinanderhörens. So hatte auch der BDKJ diese Karten verteilt und von ihnen Gebrauch gemacht, um Druck auf Redner und Rednerinnen auszuüben.

Es scheint also, dass die Autorin des Bistums Osnabrück die Tragweite der Kritik an einer Synodalversammlung, deren Mehrheitsfraktion sich selbst Weg genug ist, eigentlich gar nicht erfasst hat. Es befremdet ja ohnehin schon, dass ein ganzes Bistum an dieser Stelle als «Partei« auftritt. Nicht nur dies widerspricht dem katholischen Geist.

Ein letztes Wort zu Pippi Langstrumpf. Die Ephraimstochter ist durchaus Kind ihrer Zeit. Besonders deutlich wird das im Umgang mit einer fiktiven Südseekultur. Pippi und ihr Vater sind eigentlich Vertreter einer kolonialen Epoche, daran ändert die Umbenennung des väterlichen Titels in »Südseekönig« nichts. Ich frage mich, ob die Haltung, die der Account des Bistums Osnabrück gegenüber dem katholischen Teil der Synodalversammlung zeigt, nicht etwas ähnlich Überhebliches an sich hat.

Wollte der »Synodale Weg« nur den priesterlichen Dienst im Gottesvolk stärken?

»Braucht es überhaupt das Priestertum in der Kirche?«

Es war tatsächlich so, wie die Journalisten es verstanden haben. Das Abstimmungsprotokoll zeigt eine knappe Mehrheit für die Frage, »ob es das Priestertum überhaupt braucht«.

Segantini, Frühmesse

Das ist etwas komplett anderes als +Bätzings Behauptung, es gehe um die Stärkung des priesterlichen Dienstes im Volk Gottes. +Bätzing kann die Frage aus einem einleuchtenden anderen Grund nicht richtig wiedergegeben haben. Einfach nur priesterlichen Dienst zu stärken wäre eine sinnvolle Aufgabe – allerdings in einem anderen Forum als auf dem diskreditierten »Synodalen Weg«. Diese Frage hätte jedenfalls keine KNAPPE, sondern sogar auf dem SW eine übereinstimmende Zustimmung erhalten.

Fazit: +Bätzing hat vor der Presse mit einer unwahren Schutzbehauptung abgewiegelt – und zugleich die Journalisten für ihre Arbeit kritisiert.

Es ist zu prüfen, ob er sich geirrt oder sogar gelogen hat.

Die Frage, ob es »das Priestertum überhaupt braucht« ist mit einem Blick in Presbyterorum Ordinis, dem »Dekret über Dienst und Leben der Priester« des Zweiten Vatikanischen Konzils zu beantworten. Die Frage erneut aufzuwerfen bedeutet, die Autorität des kirchlichen Lehramtes zu verwerfen.

Der entscheidende Punkt ist: Wenn in irgendeinem Zusammenhang die Frage aufkommt, ob es das Priestertum braucht – ich setze jetzt ehrenwerte Gründe dafür voraus – dann setzt man auf theologische Erkenntnisquellen und nicht auf Plausibilitätserörterungen einer Delegiertenversammlung. Dann fragt man in den Raum, ob jemand kurz im KKK oder in den Texten des Zweiten Vatikanischen Konzils nachschauen kann.

Wenn die Frage an die »Delegierten« weitergereicht wird, obwohl sie längst beantwortet ist, erweckt die »Synodalversammlung« den Eindruck, als sei das Ordentliche Lehramt für sie nicht verbindlich.

Dann aber kann man alles und zu jeder Zeit auf den Prüfstand stellen, und jede Vereinbarung gilt nur, solange sie nicht wieder von irgendeinem Hansel in Frage gestellt wird.

Es ist daher meines Erachtens dringend notwendig, an den Papst zu appelieren und den »Synodalen Weg« überprüfen zu lassen.

Kirche, Krise, Karsamstag.

Krisen sind Entscheidungssituationen, die man annehmen und bewältigen muss. Es kann mehrere Formen der Krise geben: eigene Krisen (durch Reformbedürftigkeit oder Dekadenz, Abweichen vom ursprünglichen Auftrag) und äußere Krisen (Verfolgungssituationen, Neubewertung durch die umgebende Gesellschaft).

Giovanni Bellini, Pietà

Wer könnte ernsthaft bezweifeln, dass die Kirche als sichtbare Institution in unserer Region sich in einer Krise befindet?

Die Aufarbeitung des Missbrauchs in der Kirche hat in einem kaum für möglich gehaltenen Bereich das sittliche Scheitern vieler Vertreter aufgedeckt. Aber auch Verantwortliche haben – oft in Verkennung der Situation – eher versucht, Schaden von der Institution abzuwenden, als die Geschädigten ernstzunehmen.

An endogenen Gründen für eine Krise der Kirche, die sich in der Geschichte bewegt, fällt die Anfälligkeit gegenüber Ideen und Philosophien auf, die die Kirche von ihrem Ursprung wegbewegen. Natürlich sind hier die Themen des sogenannten Synodalen Wegs als Krisentreiber auszumachen. Der Kirche wird eine Kur durch Anpassung an die dekadente Gesellschaft empfohlen. Wenn sie sich nicht mehr von der Gesellschaft unterscheide, könne sie attraktiv auf die Gesellschaft wirken, lautet der Zirkelschluss.

Da der aggressive Säkularismus blind für seine eigene Anfälligkeit für das Böse ist, verspricht er der Kirche mit schönen Worten das als Heilmittel, womit er selber bereits sittlich gescheitert ist. Bischof Bode und Bischof Bätzing nennen das dann Offenbarungsqualität der Lebenswirklichkeit.

Befeuert durch eine Bevorzugung der Medien drängen Gruppen darauf, dass sich die Kirche von ihrer eigenen Herzmitte lossagt. Bischöfe und Domdekane hofieren die Zweinullgruppe, die, ohne diese Auffassung jemals widerrufen zu müssen, offen die Abschaffung des Priestertums fordert.

Und die Gläubigen? Sind oftmals hin- und hergerissen.

Es gerät hier aus dem Blick, dass der Beistand der Kirche nicht ihre Satzung, ihr Katechismus oder das Kirchenrecht sind, die man etwa mit ausreichender Mehrheit (oder wenn man einen Bischof oder einen Papst installiert hat, der die eigene Auffassung vertritt) ändern kann, sondern die im Heiligen Geist eingelöste Zusage Jesu: Ich bin bei euch alle Tage. Kein selbsternannter Reformer kann in der Kirche Dinge umsetzen, die außerhalb seiner Vollmacht liegen. Das wird krachend scheitern.

Kirchengeschichte ist von ihrem Ursprung her Krisengeschichte: »Wollt auch ihr weggehen« fragt Jesus die Jünger bereits in Kapharnaum nach der Spaltung durch die große eucharistische Verheißungsrede. Schließlich erlebt die Jüngergemeinschaft ihre Krise bei der Festnahme und Hinrichtung Jesu. Auch die Entscheidung für den Auferstandenen ist eine Krise – hinter verschlossenen Türen, auf dem Weg nach Emmaus, am See von Tiberias. Die junge Kirche schließlich wird mit ihrer Gründung in die Krisen blutiger Verfolgung und einbrechender Irrlehren geschickt. Krisen, wohin man schaut.

Das alles betrifft die Kirche, soweit sie sich in ihrem geschichtlichen Prozess befindet. Ich wage die Prognose, dass das eifrig herbeigeschriebene Schisma in unserem Land noch lange auf sich warten lassen wird. Die Verantwortlichen der Kirche werden versuchen, die Konfliktlinien so lange vage und verschwommen zu halten, wie es eben geht, um in der Krise keine Entscheidung treffen zu müssen.

Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Kirche in ihrer lebendigen Mitte die Krise des Karsamstag bereits hinter sich gelassen hat. Sie beweint nicht mehr den Leichnam. Ihre Kraft ist der Auferstandene. Sich bei ihm »in Stellung zu bringen« und neues Leben eher aus Umkehr und Buße zu erwarten als aus dem Abarbeiten säkularer Vorstellungen – da ist man eigentlich gut aufgestellt, den Weg mit Jesus aus der Krise zu gehen.

Vorsicht Woelki!

Ein Hirte, der sich auf Augenhöhe mit den Schafen befindet, hat entweder Ischias oder ist schwer betrunken«, schrieb eine Freundin in einem Kommentar auf Facebook. Anlass für diese pointierte Bemerkung war die Klage, Kardinal Woelki habe mit seiner Kritik an der Sitzordnung im Synodalen Weg deutlich gezeigt, dass er sein bischöfliches Elitetum pflegen und sich nicht unter die Schafe begeben wolle. Natürlich lässt sich leicht einwenden, das eine solche Charakterisierung nun überhaupt nicht zum Erzbischof von Köln passt. Aber vielleicht ist es gut, die Frage zu beleuchten, ob es überhaupt zur Berufsbeschreibung eines Bischofs gehört, dass er sich auf Augenhöhe mit der Herde zu befinden. Freilich ist damit nicht der Verzicht auf ein leutseliges Miteinander gemeint, ohne das man ja im Rheinland ohnehin für weder joot noch bös angesehen wird. Dagegen könnte man dann auch, dem Papst folgend, sagen: Der Hirte muss nach Schafen riechen. Allerdings gelingt das den Bischöfen (wie uns allen) mal besser, mal schlechter. Es geht also nicht um die Frage nach Arroganz, sonder um die Frage, ob er den Stab wegwerfen und mit den Lämmern blöken darf.

Ich finde ja, ein Hirte darf gar nicht auf Augenhöhe mit den Schafen sein. Er muss die Übersicht haben, sonst ist er kein Hirte, sondern schlimmstenfalls ein Wolf. Episkopos, aus dem sich das Wort »Bischof« gebildet hat, ist der, der die Übersicht hat, der »Aufseher«. Das ist nun das genaue Gegenteil vom Augenhöhe-Einhalter. Das ist das strukturell unaufgebbare Wesen des Priestertums, und es geht auf Jesus Christus selber zurück. »Wer euch hört, der hört mich, und wer euch ablehnt, der lehnt mich ab; wer aber mich ablehnt, der lehnt den ab, der mich gesandt hat« ist die Beschreibung des Jüngers durch Jesus. »Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm.« beschreibt Matthäus den Augenblick, in dem die Bergpredigt beginnt. Klare hierarchische Gliederung.

Dieser Hierarchie (heilige Ordnung) verdanken wir, dass Jesus zu uns kommen kann, und zwar ohne die mindeste Einschränkung. Wenn du, der du das liest, die Heilige Eucharistie empfängst, dann ist Jesus genau so wirksam und lebendig bei dir wie damals in Galiläa bei seinen Jüngern. Wenn du die Bibel liest, dann darfst du sicher sein, Gott spricht hier und jetzt zu dir, weil du durch die Generationen hindurch der Autorität der Apostel und der ersten Bischöfe vertraust.

Ein Bischof weiß, dass er diese Aufgabe durch seine Weihe übernommen hat, und sie ist schwer. Er ist dafür verantwortlich, dass die Herde in seinem Bistum zu Christus geführt wird. Und Gott hat ihm gesagt, dass er zur Rechenschaft für die Seelen gezogen wird. Augenhöhe mit dem Bischof haben wollen heißt also, täglich mit ihm am Rand der Hölle spazierenzugehen.

Einen gewissen Teil seiner Verkündigung widmet Jesus übrigens den Hirten, die ihre Aufgabe vergessen, es sich wohl sein lassen und so den Wolf ins Haus locken. 

Die Leute, die am vehementesten die Augenhöhe einfordern, wollen diese bischöfliche Autorität abschaffen oder einschränken. Aber in dieser Forderung nach Nivellierung steckt die Ablehnung der Herrschaft Jesu Christi, des auferstandenen Sohnes Gottes. Das gilt es zu bedenken, und dann redet man nicht mehr so unbedacht über den oder jenen, den man besonders gut oder besonders schlecht findet.

Schafft also das Amt des Bischofs ab, und ihr habt euch erfolgreich der Königsherrschaft Jesu Christi entledigt.

Der Mensch als Pixel und Bildhintergrund

  

  
In einem Gastkommentar für die katholische Nachrichtenseite kath.net habe ich mich mit dem Logo des sogenannten »Synodalen Wegs« beschäftigt.Ich möchte auf ein weiteres sprechendes Detail hinweisen: Auf das Fotomosaik. Kirchliche Bekanntheit erzielte diese Darstellungstechnik vor anderthalb Jahrzehnten, als sich nach dem Tod des großen Papstes Johannes Paul II tausende mit ihrem Portraitfoto beteiligten. Eine Software wertete die Farbwerte der individuellen Fotos aus und generierte ein gewaltiges Mosaik, auf dem jedes Bild zum Pixel einer großen Darstellung des Papstes wurde. So konnten viele ihrer Trauer und ihrem Dank Ausdruck verleihen. Das war beeindruckend.

Dieses Prinzip nutzt die Jodelsynode für sich … oder gibt es zumindest vor. Denn das vermeintlich generierte Bild des Wegweiserlogos ist nur hineinkopiert.

Natürlich ist es schwieriger, ein farbenprächtiges Logo, noch dazu mit einem so schönen und lebensbejahenden Regenbogenmotiv ❤️ durch die Farbtemperaturen diverser Fotos darzustellen, selbst wenn viele der Portraitierten sich mit ihren Batikschals präsentieren sollten.

Darum wird das Logo eben einfach mit unscharfer Kante auf separater Ebene über eine farbneutrale Fläche aus Einzelfotos gesprüht. Fake also.

Auf den ersten Blick effektvoll, bei näherem Hinsehen recht schal. Dabei hatte die schöne Idee noch geklappt, als die Werbeagentur sie vorstellte. Logisch. DIE hatten damals schon die Wort-Bild-Marke über das Mosaik kopiert.

Fazit: Du bist nicht Teil des Mosaiks. Du bist nur da für die allgemeine Farbstimmung. Das Logo wird draufprojiziert.

Die draußen stehen, sind unsere Brüder

Langenzenn, Stadtkirche Hl. Augustinus, ca 1440/50, Photo: Wolfgang Sauber, Quelle Wikipedia

Remedium gegen Ausgrenzungsphantasien aller Art:

»Vor allem ermahnen wir euch, dass ihr Liebe habt: nicht allein untereinander, sondern auch zu denen, die draußen stehen, ob sie nun Heiden sind, die noch nicht an Christus glauben, oder, von uns geschieden, sich zwar zum Haupt bekennen, aber vom Leib getrennt sind. Wir wollen um sie trauern wie um Brüder; denn ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, sie sind unsere Brüder. Nur dann hören sie auf, unsere Brüder zu sein, wenn sie nicht mehr ›Vater unser‹ sagen.«

Augustinus, aus einer Auslegung zu Psalm 32
(Die Lesung ist der zweiten Lesung des Montags der 16. Woche im Jahreskreis II entnommen.)

Nicht ihr habt mich erwählt …

Photo by Rachel Moore on Unsplash

Das Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz bittet seine Facebook-Follower, 1.000 Zeichen zu der Frage abzuliefern, warum sie noch in der Kirche bleiben:

Doch viele Menschen bleiben bewusst und gerne in der katholischen Kirche. Falls Sie zu diesen Menschen gehören: Was bindet Sie an die Kirche? Warum ist es Ihnen wichtig, in der katholischen Kirche zu bleiben?  (katholisch.de auf Facebook)

Bevor mich allein schon die Frage aufregt (Jodeldiplom), stelle ich mich der Why-Are-You-Still-In-The-Church-Challenge. Eigentlich könnte man genauso den Karpfen fragen, warum er im See bleibt und es sich nicht statt dessen in der Wüste gemütlich macht. Aber offensichtlich ist es für den Fragesteller doch nicht so selbstverständlich, dass einer, der einmal zur Kirche gehört, weiterhin in ihr bleibt. Es gibt viele Gründe zu gehen, doch nur einen Grund zu bleiben: Die Zugehörigkeit zur Kirche ist nicht meine Wahl oder meine Initiative. Sie ist lediglich meine Antwort auf eine Einladung.

»Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.« (Joh 15,16)

Aus eigenen Kräften hätte ich die Frage, welcher Lebensphilosophie ich mich anschließen sollte, nie eindeutig klären können. Der bohrende Zweifel, ob das denn jetzt alles so richtig sei, ob ich mich tatsächlich einer Glaubensgemeinschaft anschließen könne, ob Glauben oder Werte der Kirche überhaupt eine Option für mich sein könnten, hat mich in der Zeit der ersten, bewussten Suche nach einem Lebenssinn nie verlassen. Zu dieser Zeit hätte mich ein Lüftchen von der Kirche wegblasen können. Und um wieviel mehr die Skandale und innerkirchlichen Streitereien, die heute aufbrechen. Dass ich trotzdem immer wieder auf Jesus Christus stieß, sehe ich nicht als Zufall an. So tauchen in meiner Erinnerung Bilder und Szenen auf, die dreißig Jahre zurückliegen.

Auf dem Katholikentag in Düsseldorf: Ich sehe eine Pinnwand voller Gebetszettel. Ich bin überrascht, dass es Menschen gibt, die Gott etwas anvertrauen.

Ich sehe mich noch heute in einer kleinen Bauernkapelle im Emsland. Captain Wright, unser amerikanischer Austauschoffizier, schlägt ein paar Töne auf der Orgel an: Eine Freude, eine Ahnung.

Auf dem Mont Sainte Odile in den Vogesen. Ich öffne abends die Kapellentür; die Gemeinde kniet vor der Monstranz. Anbetung hatte ich vorher nie erlebt. Was tun all diese Leute, ohne dass irgendetwas geschieht? Ich schweige vor dem Licht, vor der Gegenwart, die von dem Altar ausgeht.

Das erste Gespräch mit einem Pfarrer, der mir die unbequemste aller Fragen stellt: Was willst du mit deinem Leben? Er rät mir, es einmal mit dem Vertrauensvorschuss auf Gott hin zu versuchen.

Und irgendwann, nach Jahren, kommt dann Jesus Christus selber. Ich erhalte das Zeichen, um das ich nicht gebeten habe. In einem einzigen Augenblick weiß ich um seine Gegenwart, und ich weiß, dass ich nicht mir selbst gehöre. Ich schreibe an diesem 5. Dezember 1987 in mein Tagebuch: »Er will in sein Eigentum zurück.« Fragend nehme ich die Bibel in die Hand, weiß nicht, wo ich zu lesen anfangen soll und versuche es aufs Geratewohl.

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir. (Offb 3,20)

Er ist es, der mich in die Kirche gerufen hat. Die Kirche ist nicht der Ort, an dem ich meine Weltanschauungen und Gottesideen herausgefordert oder bestätigt finde. Sie ist nicht das angenehme kulturelle Umfeld, die herausfordernde Lebnsphilosophie. Von alldem ist wohl ein wenig dabei. Aber sie ist immer noch das Haus des Lebendigen Gottes, der unverfügbare Raum, der geschmückte Hochzeitssaal. Wo sie brüchig ist, da sind Menschen am Werk, und wo Menschen sie auf ihre Ebene herabziehen wollen, erscheint sie kraftlos und matt.

Was die Kirche wirklich ist, erlebe ich in den Sakramenten. Die Beichte macht mich neu, auch wenn der Holzwurm sich leise durch den Beichtstuhl schmatzt. In der Eucharistie empfange ich Jesus Christus, auch wenn das priesterliche Messgewand, das ich vorsichtig anhebe, schon bessere Tage gesehen hat.

Also schreibe ich: »Ich bin gerufen. Und in der Mitte ist Jesus Christus.«
(Und damit benötige ich eigentlich nur 50 Zeichen, inklusive Leerzeichen.)

Drei Dinge zu Notre Dame

Notre Dame. Drei Dinge sind mir wichtig. Zum einen (gilt für Christen) – ja, da ist ein Recht und eine Priorität Gottes. Es schaudert mich, wenn ich dran denke, wer zuerst die Priorität des Sozialen über den Gottessohn gestellt hat. (Und sich selber nicht daran hielt!)

Zum zweiten: Auch für den Nichtglaubenden könnte es eine Übereinstimmung darin geben, was zum Kulturgut eines Landes gehört. Vor siebzig Jahren, als es noch keine Tankstellen voller überflüssigen Genusskrempel gab, war man sich darin einig, die Dome und Kathedralen wieder aufzubauen, die in Schutt und Asche lagen. Ich staune über die Bereitschaft, jede Form von Zivilisiertheit hinter sich zu lassen, die gewisse lautstarke Meinungsspender in der Debatte zeigen.

Zum dritten: Bei jedem spendenbasierten Werk gibt es die erste Phase großer Anteilnahme und Spendenbereitschaft. Für die Fundraiser wird es DANACH schwierig. Wenn das Ding läuft, die Kosten immer noch anfallen, aber die öffentliche Anteilnahme sich anderen Themen zuwendet. Wer die Schwierigkeiten bereits laufender Spendenprojekte mit der spontanen Hilfsbereitschaft für die Kathedrale von Paris vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Viertens – vier Dinge sind mir wichtig: Die sollen einfach alle mal die Fresse halten.

Bischofsrant

Im folgenden ein als Kommentar geschriebener persönlicher Rant zum Bericht »Kardinal Marx ruft angesichts der Kirchenkrise zur Reinigung der Kirche auf«.

Ich denke, es ist vielleicht sinnvoll, darüber nachdenken, ob die »Kirchenkrise« nicht vielleicht doch eher eine Krise des Episkopats ist. Ich widerspreche jedem Versuch, das Versagen bei der Ausübung der priesterlichen und bischöflichen Machtbefugnisse auf die Kirche als solche, also auf das Volk Gottes abzuwälzen. Das bedeutet nämlich, den ohnehin Betrogenen zu sagen, sie trügen Mitschuld am Dreck eines abgefallenen Klerus.
Ich widerspreche jedem Versuch, Ehelosigkeit (als solche) für den Missbrauch verantwortlich zu machen. Das ist ein Schlag ins Gesicht derer, die den freiwilligen oder durch Umstände auferlegten Eheverzicht mit Christus leben. (Nicht als hätte Kardinal Marx so etwas behauptet; aber es schwingt zumindest im Subtext bischöflicher Äußerungen mit.)
Ich widerspreche jedem Versuch, die vielzitierte »Sexualmoral der Kirche« als etwas darzustellen, das man nach Gutdünken, unter dem Druck der öffentlichen Meinung, aus Eigeninteresse oder unter Berufung auf ominöse »wissenschaftliche Erkenntnisse« anpassen oder ändern könne. Ich bitte die Bischöfe inständig darum, die Heiligsprechung Papst Johannes Pauls II im Jahr 2014 nicht als ein »Wegloben« des unbequemen Mahners zu verstehen, sondern als Einladung, sich intensiver mit seiner Lehre vertraut zu machen.
Ceterum censeo – nicht, als sei etwas anders behauptet worden: Ordinatio Sacerdotalis ist Bestandteil des unfehlbaren Glaubensgut der Kirche. Alle Gläubigen haben sich endgültig daran zu halten. Wer widerspricht – und sei er der Erzbischof von Bielefeld –, stellt sich damit außerhalb der Katholischen Kirche auf.

(Abgesehen von seinem priesterlichen Dienst würde ich schreiend das Weite suchen, wenn Kardinal Marx mich »reinigen« wollte.)

Of Hobbits and Stewed Rabbit

  
There is a connection between the very first beginning of The Hobbit and Frodo‘s and Sam‘s rest in Ithilien.

Tolkien‘s famous very first words as written down on a student‘s paper were »in a hole in the ground there lived a Hobbit«. In German I first read »In einem Loch im Boden lebte ein Hobbit« – and there is nothing extraordinary about these words. It just seems to be an invention. The start of a playful story.
But the thought struck me that »in a hole in the ground there lived a RABBIT« would be an everyday sentence. And considering the authors sense of humor and his creative game with language I can easily imagine how much he loved transforming an everyday meaning into something beautiful, mysterious and funny by just changing two letters: Hobbit!
When the story line grew and – like a river – floated into the epic history of Middle Earth there still remained a certain relation between rabbits (the smaller hare) and Hobbits (the smaller people).
In Ithilien the original children story of Bilbo and the dwarves had become a kind of passion tale. And suddenly the darkening story turns into some kind of rest. Frodo and Sam on their way of self sacrifice enjoy a meal provided by the miserable and treacherous creature Gollum: Two stewed rabbits.
A meal which opens the way to the sacrifice (later in Mordor Sam tries to recall the memory of this meal to his master) and at the same time saves their lives by drawing the attention of Faramir’s troups to the Hobbits.
This is a meal of comfort and of rescue.
But it is not a vegetarian, »innocent« meal like eating some bananas. I think it is not by chance that these two rabbits get killed by Gollum. I cannot help but feeling the relief for Sam and Frodo and at the same time the deep pity for those little rabbits which get killed by Gollum in a way I don‘t want to figure out.
Without being allegorical there is such a closeness to the Eucharist. Those two rabbits here really represent the two hobbits giving their lives for those who eat them. 
So they ›got up and ate and drank. Strengthened by that food … they traveled‹ to Mordor. (cf. 1 kings 19.8)