Friede ist allweil in Gott

niklaus»Aus Liebe schreibe ich euch noch mehr. Gehorsam ist die größte Ehre, die des im Himmel und auf Erden gibt, weshalb ihr trachten müßt, einander gehorsam zu sein, und Weisheit ist das allerliebste, denn sie fängt alle Dinge am besten an. Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede, und Friede mag nicht zerstört werden. Unfriede aber wird zerstört. Darum soll ihr schauen, daß ihr auf Frieden stellet, Witwen und Waisen beschirmt, wie ihr es bisher getan habt. Und wessen Glück sich hienieden mehret, der soll Gott dankbar sein, so wird es sich auch im Himmel mehren. Den offenen Sündern soll man wehren und der Gerechtigkeit allwegs beistehen.«

Niklaus von der Flüe (†1487), aus einem Dankbrief an die Ratsherren der Stadt Bern
Quelle: Lektionar zum Stundenbuch, II,7, S. 277f

12 Apostel, eine kleine katholische Typenlehre

12 Apostel. Eine kleine katholische Typenlehre. ©Peter Esser

12 Apostel. Eine kleine katholische Typenlehre. ©Peter Esser

[Peter Esser] Den Abschluß der Bloggertagung bildete eine – aus dem Vatikanmagazin bereits bekannte – kleine katholische Typenlehre.  Wenn man schon für sich entscheidet, welche Art von Naturkatastrophe man ist, warum dann nicht auch herausfinden, welches besondere Gewächs im Garten Gottes und der Kirche man darstellt!

Aus Copyrightgründen verweise ich auf den vollständigen (und lohnenden) Artikel.

Während Norbert und Andrea die einzelnen Typen vorstellten, nutzte ich die Gelegenheit, mein Zeichentablett zu testen. Das kam (in Echtzeit) dabei heraus. Für jeden Typ nahm ich mir exakt die Zeit, die es dauerte, die Typenbeschreibung vorzulesen.

First Reason: Tante Erna

Sie war in meiner Erinnerung immer da. Und immer schon alt. Denn bei meiner Geburt stand sie bereits in den Sechzigern, hatte im Backfischalter dem Kaiser zugewunken, als dieser pompös die Werke der Familie Krupp in Essen besuchte. Doch auch wenn ich sie nie anders als Tante Erna nannte: Sie war gar keine Verwandte. Vermutlich hatte mein Opa schon in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg den Ratskeller, den sie und ihr Mann, Onkel Rolf, bewirtschafteten, mit Fleisch und Wurst beliefert, was man halt in der Gastronomie so braucht – nun lebten sie als Pensionäre – und es war eine Art Freundschaft entstanden. Tief kann sie nicht gewesen sein, aber immerhin familiär genug, daß er sich wegen ihrer krummen Beine belustigen konnte, natürlich heimlich.

Bis zu dem Tag, an dem der kleine Peter bei einem Besuch, den Tante Erna und ihr Mann im Jagdhaus abstatteten, die kleine, alte Tante betrachtete und empört schrie: »Opa, die Tante Erna HAT ja keine krummen Beine!«

Mein Opa entzog dem kleinen Verräter seine Liebe nicht, aber auch Tante Erna schien mich fortan als ihren Verbündeten zu betrachten. Oder so.

Jedenfalls überschüttete sie mich geradezu mit ihrer Zuneigung, als sei ich ihr eigenes Kind, das ihr nie vergönnt gewesen war. Ich liebte die Fahrten in Onkel Rolfs Ponton-Mercedes aus den fünfziger Jahren mit seinem geheimnisvollen Anlasserknopf. Gemeinsam sangen wir »So ein Tag, so wunderschön wie heute!« und manchmal ließen wir uns mit der Rheinfähre nach Kaiserswerth übersetzen. Und dann gab es noch Onkel Rolfs selbstgemachtes Speiseeis, eine echte Delikatesse mit einem ganz kleinen Schuß Eierlikör. Viel besser als beim Italiener! fügte Tante Erna streng hinzu, wenn sie mir im Biedermeierzimmer meine Portion zuteilte.

In ihrem Schlafzimmer hing das Ölportrait einer dunkelhaarigen, beleibten Dame mit Perlenkette und geblümten Kleid. Irgendwann verstand ich, daß sie selbst diese abweisende Dame war. Natürlich in irgendeinem mythischen Zeitalter weit vor meiner Geburt, bestimmt sieben Jahre oder gar noch mehr.

Tante Erna, die immer alte, wurde steinalt, und auch ihre Beine wurden tatsächlich immer krummer. Meinem Großvater, längst verstorben, wäre dieser Anblick vielleicht eine Genugtuung gewesen. Als Onkel Rolf nicht mehr fahren wollte, schenkte er den Mercedes einem jungen Verwandten, der ihn prompt weintraubengrün lackierte, was Tante Erna ihm sehr verübelte. Dann starb auch Onkel Rolf, und Tante Erna wackelte allein weiter durchs Leben. Energisch und selbstbewußt.

Doch wurden die Besuche bei ihr auch immer anstrengender. Sie verzettelte sich gerne in endlose Genealogien, wenn sie versuchte, mir zu erklären, wer von ihren Bekannten mit wem verwandt sei. Das konnte lange dauern, und in solchen Augenblicken war sie auf nichts anderes anzusprechen. Um einigermaßen damit umgehen zu können, erfand ich Tante Laura. Ungefähr genau so alt wie sie – also vierundneunzig, und politisch ihr exakter Gegenpart, also leidenschaftliche Frauenrechtlerin und SPD-Mitglied seit 1912. Die Erwähnung Tante Lauras genügte, um sie zum Lachen zu bringen und aus ihren Trott zu reißen.

Einmal hat sie mich in unserer Studenten-WG besucht. Mein Mitstudent hatte soeben das riesige, expressive Wandbild »Der Schreiende« im Wohnzimmer aufgetragen. Und die kleine, alte Tante sprach die weisen Worte: »Das muß der Stefan einem Mädchen zeigen, das jünger ist als ich.«

Tante Erna und ihre Spruchweisheiten! »Mit dem Hute in der Hand, kommt man durch das ganze Land« hatte sie mir eingetrichtert und meinte damit, mich zur Höflichkeit erziehen zu müssen. In ihren letzten Jahren trat der Spruch immer wie ein Mantra auf, wenn sie weiter nichts sagen konnte.

Und plötzlich, ein halbes Jahr, bevor sie hundert Lebensjahre hätte vollenden können, kam ich unversehens hinzu, als sie im Sterben lag. Sie erkannte mich noch, und ein Leuchten ging über ihr vertrautes, altes Gesicht. Hut! Hand! Ich versuchte noch, ihr Kissen zu stützen, ihr das Atmen zu erleichtern, dann sank ihr Kopf in meine Armbeuge, ein hundertjähriges Leben endete genau dort.

Einmal, einige Jahre vor ihrem Tod, hatte ich gemeinsam mit ihr auf einer Bank am Rhein gesessen. Sie hatte mir von Kevelaer erzählt, und von dem unglaublich leckeren Honigkuchen, den sie dort im Café gegessen habe. In einem missionarischen Impuls versuchte ich, ihr ein wenig altklug von der Trösterin der Betrübten zu erzählen, aber sie war einfach vollkommen auf die Honigkuchenschiene eingeschworen. Nichts zu machen, dachte ich. Da fiel mein Blick auf einen gemächlich rheinauf ziehenden Kohlefrachter, einer von vielen. Doch sein Name war Erna-Maria.

10 Reasons to Believe

Gib mir einen guten Grund, um zu glauben! In einer ersten Reihe auf kephas.de werde ich zehn Gründe nennen. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Es werden keine philosophischen Gründe sein. Sie zielen auch nicht darauf ab, euch auf Teufel-komm-raus zu überzeugen. Aber, ich finde, sie sprechen für sich. Es sind Erinnerungen an Menschen. Was kann mehr von Gott sprechen als der Mensch?

Oder, um es mit Carson zu sagen: The business of life is the acquisition of memories.

Morgen früh beginnt der kleine Kranz mit TANTE ERNA! Stay tuned!

Bloggertreffen in Erfurt

Hier stelle ich eine kurze, zu erweiternde Leseliste des Erfurter Bloggertreffens zusammen.

Andrea hat den Reigen auf ihrem Blog 5 Brote, 2 Fische eröffnet. Andrea, ich danke dir gans herzlich und weiß zu schätzen, daß du dir die Zeit genommen hast, OBWOHL doch gerade Downton Abbey, die Fünfte Staffel erscheint!

Marinika vom Senftöpfechen sei herzlich gegrüßt! Hier ihre Rückschau auf das Treffen. Ja, so habe ich es auch empfunden!

Phileirenos hat sich kritische Gedanken zum Vortrag von Professor Sellmann gemacht und wittert Dialogromantik. Vielleicht wäre es lustig geworden, diesen Begriff schon am Samstag anzubringen … 🙂

Und ich habe mir so meine Gedanken auf »Echo-Romeo, Ihrer freundlichen Dialogplattfporm im Internet« ® gemacht …

UPDATE: Norbert nominiert zur PLASSMANN-CHALLENGE!

Heidrun bloggt aus »Bethanien« und äußert gleich einen Wunsch an unseren neuen Erzbischof!

Hopp! Frucht bringen! (zu Lukas 8, 4-15)

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Aus dem Tagesevangelium: »Auf gutem Boden ist der Samen bei denen gefallen, die das Wort mit gutem und aufrichtigem Herzen hören, daran festhalten und durch ihre Ausdauer Frucht bringen.» Lk 8,15

Welches Musikstück bist du? Welches Tier bist du? Welche Muppet-Figur, welcher griechische Gott bist du? Könnte jemand einmal den nervenden Typentests auf Facebook die Frage hinzuzufügen: Welcher Nährboden bist du? Das heutige Evangelium bietet folgende Möglichkeiten: Weg, Felsen, Dornen und bezeichnet damit den Grund, auf den der Samen des Wortes Gottes fallen kann.

Viel Stoff für eine Gewissenserforschung. Und seit ich die Perikope des heutigen Samstags kenne – gebe ich zu – lande ich bei der Betrachtung des heutigen Gleichnisses gerne und immer wieder in den Dornen. Und zwar auf der Sorgenseite der Dornen.

Heute will ich es anders halten. Ich habe eine Bodenart vergessen. Denn immerhin fällt der Samen des verschwenderischen Sämanns im Gleichnis Jesu auch auf den Grund, der eigentlich nicht zum Feld gehört. Wenn ich aber zu Gottes Acker gehöre – das bedeutet für mich zur Kirche – dann ist der eigene Standort von Natur aus der gute Boden, der aus Samenkörnern leuchtende, reife Ähren macht.

Dann ist es kein unabwendbares Schicksal mehr, Dornengestrüpp, Felsen oder festgestampfter Lehmweg zu sein. Dann bin ich »guter Boden«. Und plötzlich erscheint mir die unerreichbare Tugendleistung des Fruchtbringens nicht mehr als ein Schön-wär’s-Ziel, sondern als Verheißung und Geschenk.

»Der Samen ist das Wort Gottes». Ich denke zuerst an das gesprochene und aufgezeichnete Wort des Evangeliums, aber auch an Jesus selbst, der sich mir in der Gestalt des eucharistischen Brotes schenkt. Und dann bin ich nicht allein vor einem übermenschlichen Anspruch, der jede realistische Möglichkeit, gut zu sein, übersteigt.

Heute will ich dieses Wort hören und in Gedanken bewegen, ernst nehmen. Ich will daran festhalten, es nicht loslassen, es in den Begegnungen des Tages wachrufen. Es soll nicht an mir vorübergehen wie eine Lektüre, die ich abhake, wenn ich mich anderen Beschäftigungen zuwende. Um Ausdauer bittet mich der Herr, auch wenn die Ausdauer nur darin besteht, mich nicht von eigener Unzulänglichkeit entmutigen zu lassen.

Der letzte Schritt ist viel mehr Verheißung als Aufgabe: Frucht bringen. Die Frucht wird kommen, sie wird wachsen. Und alle Voraussetzungen dafür schafft Gott. Denn mit dem Wort empfange ich nicht eine Sache oder ein löbliches Programm. Ich empfange ihn selber, bin nicht mehr allein.